Rettung von Verschütteten: THW und Wissenschaft arbeiten auf speziellem Erprobungsgelände für neue Ortungsmethoden
THW-Präsident Albrecht Broemme hat am Donnerstag ein neues Erprobungsgelände an der THW-Bundesschule in Hoya eingeweiht. Das Gelände wurde eigens für das Forschungsprojekt I-LOV gebaut, das sich mit der Rettung von Verschütteten befasst. Reale Bedingungen von eingeschlossenen Verletzten unter Trümmern werden hier simuliert, um neue Ortungsmethoden zu entwickeln und zu testen.
Die Partner aus Forschung und Praxis diskutieren die Abläufe bei einem Rettungseinsatz.
Quelle: THW/Stefanie Grewe
I-LOV – das bedeutet "Intelligentes sicherndes Lokalisierungssystem für die Rettung und Bergung von Verschütteten". Um die Rettung Verschütteter zu optimieren, werden verschiedenste Daten aus einer Unglückslage in dem Informationssystem für Einsatzkräfte zusammengeführt. In einem speziell gefertigten Fahrzeug sollen diese Daten dann zentral im System für die Einsatzleitung erfasst werden und die Ortungsgeräte Platz finden. THW-Präsident Broemme übergab dieses Fahrzeug am Donnerstagabend an das Projektteam.
"Wir sehen in den Nachrichten häufig Bilder von Häusern, die in Trümmern liegen. Erdbeben, Gasexplosionen - es gibt zahlreiche Ursachen für solche Schadenslagen. Ich freue mich, dass das THW durch das Forschungsprojekt I-LOV die Möglichkeit hat, sich an der Weiterentwicklung der Rettung von Verschütteten maßgeblich zu beteiligen. Das hilft den Opfern von Unglücken und das hilft unseren Einsatzkräften, schneller und vor allem sicherer zu arbeiten", sagte Broemme am Ende eines sechstägigen Workshops der I-LOV-Partner. Im Projekt arbeiten nationale und internationale Partner aus Forschung und Praxis zusammen. Im Workshop informierten sie sich über die Arbeit des THW und stellten ihre Forschungsarbeit vor. Thomas Peter, Manager für Katastrophenhilfe bei den Vereinten Nationen, referierte über die Koordinierung Humanitärer Hilfe weltweit. Tjien-Khoen Liem von der EU-Kommission sprach zur Europäischen Sicherheitsforschung. Darüber hinaus wurden Hintergründe zu Erdbeben und Möglichkeiten zur Selbsthilfe der Bevölkerung erörtert.
Das Erprobungsgelände in Hoya wurde eigens für den Forschungsverbund gebaut, um reale Bedingungen nach einem Gebäudeeinsturz zu simulieren. Broemme weihte das Gelände am Donnerstag gemeinsam mit Partnern und THW-Kräften ein. Vorab zeigten die Einsatzkräfte der SEEBA und der Fachgruppen Ortung Rettungsabläufe wie die Ortung eines Opfers durch Rettungshunde und technische Ortung sowie Rettung aus meterhohen Trümmerkegeln. Übungen wie diese sind für die Projektpartner wichtig, um die genauen Abläufe der Rettung kennenzulernen und die Neuentwicklungen darauf abstimmen zu können. Zudem können hier Praxistests neuer Ortungsgeräte durchgeführt werden.
Forschungsprojekt I-LOV im Überblick:
I-LOV steht für "Intelligentes sicherndes Lokalisierungssystem für die Rettung und Bergung von Verschütteten" und ist ein Projekt, das 2008 ins Leben gerufen wurde.
Für verschiedene Module werden Lösungen für die Optimierung der Rettung erarbeitet. Die Informationen aus folgenden Modulen sollen in einem mobilen System für Einsatzkräfte zusammengetragen und ausgewertet werden:
- Handyortung von Verschütteten
- Ortbare Westen für Einsatzkräfte
- Bio-Radar-System
- Ortungssonde
- Erkundungsroboter
- Überwachung der Bewegung von Trümmerteilen
- Einbeziehung von juristischen und sozialwissenschaftlichen Analysen
Forschungspartner:
Das Projekt wird gemeinsam mit nationalen Partnern verschiedener Universitäten, Industrieunternehmen sowie Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben durchgeführt. Auch Partner des israelischen Zivilschutzes bringen ihre Erfahrungen in die Forschung mit ein und haben am Workshop in Hoya teilgenommen. Koordiniert wird das Forschungsvorhaben von Marc Loschonsky vom Lehrstuhl für Elektrische Mess- und Prüfverfahren des Instituts für Mikrosystemtechnik an der Universität Freiburg. I-LOV wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogramms gefördert.
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