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Bilanz eines Dauereinsatzes: Starkregenfälle im Juni 2016

Zum Sommerbeginn bekämpften gut 7.700 THW-Kräfte insbesondere während des gesamten Junis die Auswirkungen lokaler Starkregenfälle in ganz Deutschland. Sie pumpten Keller aus, räumten zerstörte Gebäude sowie verschlammte Straßen und retteten Menschen, die vom Wasser eingeschlossen waren. Mithilfe von Ölseparationsanlagen reinigten die Helferinnen und Helfer 750.000 Liter verschmutztes Wasser. Außerdem bereiteten sie insgesamt mehr als fünfeinhalb Millionen Liter Trinkwasser auf und errichteten in Bayern und Nordrhein-Westfalen sieben provisorische Brücken.

Das THW bekam die große Schadenslage vor allem dank seines breiten Repertoires an Einsatzmöglichkeiten in den Griff. Nicht zuletzt am Brückenbau wird die herausgehobene Stellung ersichtlich, die das THW im Bevölkerungsschutz einnimmt. Die 14 THW-Fachgruppen Brückenbau sind nämlich die einzigen zivilen Organisationseinheiten, die zerstörte Brücken ersetzen können. Auch in der Trinkwasseraufbereitung hat das THW außergewöhnliche Fähigkeiten bewiesen. Im Zuge der Einsätze zum Sommerbeginn stellte die THW-Fachgruppe Trinkwasserversorgung einen neuen bundesweiten Rekord auf: fünfeinhalb Millionen Liter aufbereitetes Wasser.

THW-Ortsverbände im Einsatz: Vernetzung ist Trumpf

Darüber hinaus war das weitverzweigte Netz aus THW-Ortsverbänden entscheidend – immerhin traten die Starkregenfälle in kürzester Zeit und lokal eng begrenzt auf. Die insgesamt 668 Ortsverbände des THW können ohne lange Vorbereitung bundesweit direkt Hilfe vor Ort leisten. Dabei sind sie zuverlässige Partner, die untereinander konstruktiv zusammenarbeiten, was die THW-Kräfte während der Starkregenfälle im Juni bewiesen. Von dieser engen Verzahnung profitierten insbesondere die betroffenen Gebiete in Süddeutschland. Denn nach der Zerstörung von Versorgungsleitungen setzte das THW mehrere Trinkwasseraufbereitungsanlagen ein und nutzte eine große Menge an Chemikalien zur Reinigung des Wassers. Die Gerätschaften und Materialien kamen unter anderem unterstützend aus den THW Landesverbänden Berlin/Brandenburg/Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Sachsen/Thüringen. Den wichtigsten Rückhalt für die Ehrenamtlichen des THW bildeten jedoch die Angehörigen und Arbeitgeber. Ohne ihr Einverständnis und ihre Unterstützung hätten die Helferinnen und Helfer des THW einen derart großen Einsatz nicht stemmen können.

Sommerbeginn: Sturzfluten aus heiterem Himmel

Ohne Vorwarnung überraschten die lokalen Starkregenfälle am Sonntagabend, 29. Mai 2016, mehrere Tausend Bewohner von Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Die Eigenheiten des lokalen Starkregens erschwerten Prognosen, Präventionsmaßnahmen und direkte Hilfeleistungen. Zum einen war es nicht möglich, den genauen Ort des Niederschlags exakt zu vorauszusagen, weil die Sturzfluten räumlich stark begrenzt niederschlugen. Zum anderen waren die Starkregenereignisse in kürzester Zeit derart heftig, dass kaum Vorbereitungsmaßnahmen getroffen werden konnten. Im Gegensatz zu den üblichen Hochwassern, bei denen der Pegel von Gewässern kontinuierlich ansteigt, trafen die Starkregenfälle daher viele Menschen unvorbereitet. Aus diesem Grund war auch das THW schnellstens gefordert.

Anfang Juni : Prävention und Soforthilfe

In kürzester Zeit mobilisierte das THW 900 Einsatzkräfte, welche die Auswirkungen der Katastrophe eindämmten und bereits aufgetretene Schäden beseitigten. Die Ehrenamtlichen des THW verbauten zunächst Sandsäcke und dämmten so die Überschwemmungen ein. Wo physische Barrieren nicht mehr halfen, pumpten die THW-Einsatzkräfte mit ihren Hochleistungspumpen überflutete Wohngebiete leer. Anschließend brachte das THW schweres Gerät in Stellung, mit dessen Hilfe sie Gebäude und Straßen von Schlamm, Geröll und Trümmern befreiten. Die Pegel stiegen so schnell an, dass die THW-Fachgruppe Wassergefahren zudem von Wassermassen eingeschlossene Personen retten musste.

Weitere Entwicklung im Juni: Andauernder Starkregen

In den darauffolgenden Wochen waren die THW-Kräfte bundesweit im Dauereinsatz. Mit zunehmender Stärke der Sturzfluten weitete das THW seine Hilfeleistungen aus, bis schließlich Ehrenamtliche aus allen acht THW-Landesverbänden gegen die Naturgewalten ankämpften.

    1. Einsätze in Baden-Württemberg (seit Sonntag, 29.Mai 2016)

      • Die ersten wirklich heftig Betroffenen des langanhaltenden Starkregens waren Bayern und Baden-Württemberg. Rund 1.250 THW-Einsatzkräfte behoben in Baden-Württemberg Wasserschäden und räumten verschlammte Straßen frei. In Braunsbach (Landkreis Schwäbisch-Hall) errichteten THW-Helferinnen und -Helfer der Fachgruppe Brückenbau am Dienstag, 31. Mai 2016, die erste von bundesweit insgesamt sieben Behelfsbrücken. Zuvor hatten Sturzfluten Flussübergänge zerstört und das Strom-, Wasser- und Abwassernetz beschädigt. Aber nicht nur Keller, sondern auch Hänge befreiten die THW-Kräfte von den Wassermassen. Aufgeweichtes Erdreich machte beispielsweise in Waldkirch (Landkreis Emmendingen) am Montag, 13. Juni 2016, die Sicherung von Böschungen unmöglich, weshalb die Ehrenamtlichen des THW den Hang zunächst entwässern mussten.

    2. Einsätze in Bayern (seit Sonntag, 29. Mai 2016)

      • Trinkwasser aufbereiten, Brücken bauen, pumpen, räumen, retten: Am härtesten trafen die Starkregenfälle Bayern. Mit mehr als 3.500 Einsatzkräften war das THW hier nicht nur zahlenmäßig am stärksten vertreten, sondern musste auch auf die größte Palette an Einsatzoptionen zurückgreifen. Aufgrund der großflächigen Überflutungen im Landkreis Rottal-Inn wurden THW-Kräfte am Mittwoch, 01. Juni 2016, mit der Ortung von Personen beauftragt, die vom Hochwasser eingeschlossen waren. Ebenfalls in Rottal-Inn, genauer gesagt in der Gemeinde Wittibreut, baute das THW nur wenige Tage später eine Bailey-Brücke mit 30 Metern Spannweite. Überflutungen hatten die alte Brücke über den Fatzöder Bach zuvor so stark beschädigt, dass sie nicht mehr befahren werden konnte. Dabei handelte es sich jedoch nur um eine von schlussendlich drei Brücken, die das THW im Landkreis Rottal-Inn errichtete. Alleine dafür investierten die THW-Kräfte der Fachgruppe Brückenbau knapp 10.000 ehrenamtliche Einsatzstunden.

        Den vielleicht wichtigsten Einsatz bildete jedoch die Trinkwasseraufbereitung in Simbach am Inn (Landkreis Rottal-Inn): Zunächst mischten sich Schlamm und Öl unter die Wassermassen, schließlich brach die Trinkwasserversorgung zusammen. Zur Kompensation bereiteten die THW-Helferinnen und -Helfer der Fachgruppe Trinkwasserversorgung bis zur Wiederinbetriebnahme des Rohrleitungsnetzes am Freitag, 17. Juni 2016, mehr als fünfeinhalb Millionen Liter Schmutzwasser zu Trinkwasser auf. Spätestens an diesem bundesweiten Rekord wird das Ausmaß der sommerlichen Unwetter ersichtlich.

    3. Einsätze in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt (seit Dienstag, 07. Juni 2016)

      • In Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt waren zusammengefasst mehr als 80 THW-Helferinnen und -Helfer aufgrund der extremen Wetterlage im Einsatz. Obwohl der Nordosten Deutschlands im Vergleich zum Süden und Westen weitestgehend von den Starkregenereignissen zum Sommerbeginn verschont blieb, zeigten die THW-Kräfte beispielhaftes Engagement: Die THW-Fachgruppe Trinkwasserversorgung aus dem Ortsverband Berlin Spandau brach am Dienstag, 07. Juni 2016, nach Bayern auf. Dort unterstützten sie die örtlichen Einsatzkräfte des THW bei der Trinkwasseraufbereitung in Simbach am Inn (Landkreis Rottal-Inn), nachdem die Starkregenfälle das Rohrleitungsnetz zerstört hatten.

    4. Einsätze in Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland (seit Sonntag, 29. Mai 2016)

      • Nahezu zeitgleich mit Bayern und Baden-Württemberg zogen die Starkregenwolken auch über Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen hinweg. Vor allem entlang des Mains bahnte sich das Hochwasser seinen Weg durch Dörfer und Städte und forderte die Einsatzbereitschaft von 925 THW-Kräften heraus. Am Mittwoch, 15. Juni 2016, pumpten etwa 30 Ehrenamtliche des THW in Offenbach am Main (Landkreis Offenbach) mehr als 200 Keller innerhalb einer Nacht vollständig leer.


        Zeitgleich pumpten die THW-Einsatzkräfte etwas weiter westlich in Frankfurt am Main auf allen Geschossebenen: Von der Tiefgarage bis zur Dachterrasse waren die verschiedensten Gebäudeteile mit Wasser vollgelaufen. Doch damit nahmen die Starkregenfälle noch lange kein Ende. Von Freitag, 24. Juni 2016, bis zum darauffolgenden Montagmorgen leiteten die Einsatzkräfte des THW mehr als 35 Millionen Liter Wasser aus den Überschwemmungsgebieten im Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland in den Rhein – das entspricht mehr als 14 olympischen Sportschwimmbecken. Zu dieser Zeit stand auch die Altstadt von Stromberg (Landkreis Bad Kreuznach) mehr als zwei Meter unter Wasser, weshalb das THW vor allem mit Pumparbeiten beschäftigt war.

    5. Einsätze in Bremen, Niedersachsen (seit Montag, 30. Mai 2016)

      • Während die Starkregenfälle zum Sommerbeginn in weiten Teilen Deutschlands sintflutartige Züge annahmen, blieb die Lage in Bremen und Niedersachsen weitestgehend ruhig. Zwar rückten insgesamt etwa 420 Ehrenamtliche des THW zur Bekämpfung von extremen Wetterereignissen aus, Großeinsätze waren aber nicht in demselben Maße wie an anderen Orten gefordert. Dennoch stieß die Hilfe des THW auf große Gegenliebe, als THW-Ehrenamtliche am Samstag, 25. Juni 2016, das Gelände des Musikfestivals Hurricane wieder bespielbar machten.

    6. Einsätze in Nordrhein-Westfalen (seit Mittwoch, 01. Juni 2016)

      • Den Einsatzschwerpunkt in Nordrhein-Westfalen bildete der Brückenbau. Insgesamt drei Brücken errichteten die THW-Kräfte binnen weniger Tage in Wachtberg (Rhein-Sieg Kreis), um die logistische Infrastruktur und Verkehrsführung wiederherzustellen. Ansonsten wäre der öffentliche Nahverkehr vollständig zum Erliegen gekommen und die Rettungsdienste hätten mit großen Einschränkungen rechnen müssen. Dank der THW-Fachgruppe Brückenbau konnte auch der Schwerlastverkehr die Gemeinde nach kurzer Zeit wieder ansteuern.


        Die Sturzfluten in Wachtberg ereigneten sich am Samstag, 04. Juni 2016, nahezu zeitgleich mit weiteren Starkregenfällen in der Nähe von Bonn: Infolge eines durchbrochenen Kanals rissen die Fluten in Bonn-Mehlem mehrere Brücken weg und überschwemmten das Ortszentrum des benachbarten Bonn-Bad Godesberg. Zudem waren Teile des Landkreises Ahrweiler bereits seit Donnerstag, 02. Juni 2016, zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten. Ohne Unterlass brachten die 1.200 Helferinnen und Helfer des THW ihre Hochleistungspumpen in Stellung, sodass die betroffenen Gebiete schlussendlich von den Auswirkungen der Überschwemmungen befreit wurden.

    7. Einsätze in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein (seit Dienstag, 07. Juni 2016)

      • In Hamburg hatten die THW-Helferinnen und -Helfer ebenfalls mit den Folgen des Starkregens zu kämpfen. Im Gegensatz zu den übrigen Regionen Deutschlands beseitigten die Ehrenamtlichen des THW dort aber hauptsächlich Sturmschäden. Rund 150 Einsatzkräfte sicherten vor allem Dächer und befreiten Straßen von umgestürzten Bäumen, nachdem am Dienstag, 07. Juni 2016, eine Windhose über Hamburg hinweggezogen war und eine Spur der Verwüstung hinterlassen hatte.

    8. Einsätze in Sachsen, Thüringen (seit Sonntag, 29. Mai 2016)

      • Im Vergleich zu vielen anderen Gegenden Deutschlands bereiteten die Unwetter in Sachsen und Thüringen den mehr als 130 Ehrenamtlichen des THW, die im Zuge des Starkregens aktiv waren, verhältnismäßig wenige schlaflose Nächte. Mit Schmutzwasserkreiselpumpen, die bis zu 15.000 Liter pro Minute ansaugen, rückte das THW lokalen Überschwemmungen zu Leibe. Bereits vor den schweren Unwettern entfernten die THW-Kräfte einen umgestürzten Baum, der den Zufluss zur Talsperre Malter verstopfte. Außerdem brach am Sonntag, 26. Juni 2016, in Dürrröhrsdorf-Dittersbach (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) ein Damm, weshalb das THW 4.000 Sandsäcke verbaute und einen provisorischen Deich errichtete. Eine wichtige Rolle nahmen die Helferinnen und Helfer des THW-Landesverbandes Sachsen, Thüringen darüber hinaus bei der Tinkwasseraufbereitung in Simbach am Inn (Landkreis Rottal-Inn) ein, indem sie Chemikalien für die Trinkwasseraufbereitungsanlagen nach Bayern lieferten.

Obwohl die Starkregenereignisse noch bis Ende Juni anhalten sollten, beruhigte sich die Gesamtlage jedoch bereits ab Freitag, 10. Juni 2016, zunehmend. Von den mehr als 7.700 Helferinnen und Helfern des THW, die während der Starkregenfälle insgesamt im Einsatz waren, rückten bis zu diesem Zeitpunkt bereits 5.600 aus. Zwar suchten die Starkregenfälle immer mehr Orte heim, die Stärke der Regenfälle ließ grundsätzlich aber nach.

Neue Einsatzschwerpunkte: Trinkwasseraufbereitung und Brückenbau

In dieser Phase der zurückgehenden Überflutungen verlagerten sich die Einsatzschwerpunkte allmählich von akuten Hilfeleistungen zu Aufräumarbeiten und Katastrophennachsorge: THW-Kräfte pumpten immer weniger Keller aus, bauten dafür aber verstärkt Brücken und bereiteten im Akkord Trinkwasser auf. Außerdem berieten Baufachberaterinnen und -berater des THW Bewohner über die weitere Nutzung beschädigter und einsturzgefährdeter Gebäude. Nach erneuten Starkregenfällen am letzten Wochenende im Juni glätteten sich die Wogen der zusammenhängenden Extremwetterlage endgültig.

Weitere Bilder zu den Einsätzen im Zuge der Starkregenfälle finden Sie in unserer Mediathek.

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