Hauptnavigation

Interview: „Mit Israel verbinden mich viele Geschichten.“

Am 12. Mai 1965 nahmen Deutschland und Israel die diplomatischen Beziehungen auf. Anlässlich dieses 50. Jahrestages luden Bundespräsident Joachim Gauck und Israels Staatspräsident Reuven Rivlin am vergangenen Dienstag zu einem Festakt in die Berliner Philharmonie. Er war verbunden mit einem Empfang anlässlich des 67. Unabhängigkeitstages des Staates Israel. THW-Präsident Albrecht Broemme war dabei. Die THW-Redaktion fragte ihn im Vorfeld, was ihn mit Israel verbindet.

Redaktion: Herr Broemme, sind Sie schon gespannt auf den Festakt?

Broemme: Ja, ich freue mich darüber, dass ich bei diesem Festakt dabei sein kann. Ich erwarte gute Reden und den Auftritt der Berliner Philharmoniker. Der Festakt symbolisiert die israelisch-deutsche Freundschaft. Sie ist ein gutes Beispiel für eine gelebte Partnerschaft.

Ich blicke auf eine intensive fünfjährige Zusammenarbeit im Bereich des Zivilschutzes zurück. Hier habe ich mich auch ein Stück weit persönlich miteingebracht.


Redaktion: Wann waren Sie das erste Mal in Israel?

Broemme: Ich bin 2010 zum ersten Mal mit dem THW nach Israel gereist. Israel hat sich damals am Forschungsprojekt ILOVE beteiligt, wo es vor Allem um Verbesserungen bei der Ortung von Verschütteten ging.

Redaktion: Was verbindet Sie mit Israel?

Broemme: Mit Israel verbinden mich viele Geschichten. Reisen nach Israel bedeutet für mich inzwischen, dort gute Freunde zu treffen. Es bedeutet aber auch, dass ich die Situation im Nahen Osten anders erlebe, als sie oft in den Medien dargestellt wird. Diese Darstellung entspricht nicht dem, was die dort lebenden Menschen tatsächlich fühlen. Ich fühle mich in Israel sicher.

Redaktion: Können Sie uns ein Erlebnis mit dem israelischen Katastrophen- und Zivilschutz schildern?

Broemme: Bei einer der ersten Begegnungen wurde ich vom israelischen Katastrophenschutz gefragt, auf welche Katastrophenszenarien sich Israel meiner Meinung nach einstellen müsse. Ich nannte Erdbeben, Tsunamis, Waldbrände und den Ausfall Kritischer Infrastrukturen - allgegenwärtig ist die Angst vor chemischen Granaten. Mir wurde daraufhin gesagt, dass Erdbeben und Tsunamis eventuell, der Ausfall Kritischer Infrastrukturen und Waldbrände hingegen weniger als Problem angesehen werden.

Redaktion: Wie haben Sie reagiert?

Broemme: Ich habe daraufhin eine Diskussion angefangen. Beispielsweise habe ich angemerkt, dass Wälder in Israel nicht anders aussehen als in Griechenland. Und dort gibt es immer wieder große Waldbrände. Wenige Monate später kam es im Dezember 2010 im Kermal-Gebirge zum größten Waldbrand in der Geschichte Israels. Dabei starben 44 Menschen. So tragisch der Unfall war, in der Öffentlichkeit hat er doch dazu geführt, dass man auch andere Szenarien ernst nimmt.

Redaktion: Gab es auch andere Bereiche im Katastrophenschutz, die Sie angestoßen haben?

Broemme: Ich war sicher nicht der Einzige, der eine Zusammenarbeit angestoßen hat: Aber ich habe immer gesagt, dass Erdbeben nicht an Staatsgrenzen halt machen. Wenn es im Jordan-Graben zu einem Erdbeben kommt, werden davon Israel aber auch Palästina, Jordanien und der Libanon betroffen sein. Solche Geschehnisse kann man nur mit Übungen und im Katastrophenfall mit Einsätzen über Staatsgrenzen hinweg in den Griff bekommen. Und das muss geplant und geübt werden. Deswegen habe ich mich für die länderübergreifende Kooperation zwischen Israel, Palästina und Jordanien eingesetzt. Daraus ist inzwischen ein Projekt hervorgegangen, das von der EU gefördert wird und sich gut entwickelt.

Redaktion: Bisher waren Sie als THW-Präsident für Forschungsprojekte, Konferenzen und zum Erfahrungsaustausch in Israel. Denken Sie, dass Sie einmal ein Einsatz ins Land bringen könnte?

Broemme: Israel hat sich nie richtig vorstellen können, auf internationale Hilfe aus dem Ausland angewiesen zu sein. Der Fachbegriff dafür ist Incoming Assistance. Mich erfüllt es mit besonderer Freude und einem gewissen Stolz, dass ich der erste und bisher der einzige Deutsche bin, der zusammen mit einem UN-Kollegen hierüber einen Vortrag im israelischen Kabinett gehalten hat. Ich habe dort vorgestellt, wie die internationale Hilfe im Falle von Erdbeben oder Tsunamis funktionieren könnte, welche Vorteile Israel davon hätte, aber welche Vorbereitungen erforderlich sind.

Redaktion: Beeindruckend! Waren israelische Vertreter bereits zu Besuch beim THW?

Broemme: Ja, umgekehrt haben wir viele Besuche aus Israel gehabt, in Berlin oder in Hoya beispielsweise. Bei dem letzten Treffen ging es um die Weiterentwicklung des Jahresarbeitsplans zwischen Israel und Deutschland, genauer zwischen dem THW und dem Zivilschutz in Israel.

Redaktion: Inwiefern können wir durch die Partnerschaft mit Israel profitieren?

Broemme: Israel ist im Bereich Forschung und Entwicklung anders aufgestellt als wir. Da sind sie sehr kreativ, arbeiten auch interdisziplinär und haben hervorragende Fachleute. In diesem Bereich gab es schon Kooperationen mit dem THW.

Redaktion: Gab es weitere Kooperationen mit dem THW?

Broemme: Ich erinnere mich an eine praktische Übung mit Bergungsteams – das war eine tolle Idee! Ein THW-Team ist mit Gerät nach Israel geflogen. Auf israelischer Seite gab es ein Team der gleichen Größe und ähnlichen Geräten. Beide Teams haben dann eine identische Aufgabe erhalten. Sie sollten unter anderem einen Mauerdurchbruch machen. So konnten wir vergleichen, wie beide Teams arbeiten. Anschließend wurden die Geräte getauscht: Die Israelis mussten mit den deutschen Geräten und die Deutschen mit den israelischen Geräten eine andere Aufgabe ausführen. Dadurch haben die Teams ein Gefühl dafür bekommen, welche Geräte das andere Team jeweils verwendet.

Redaktion: Das scheint sehr wichtig für die Internationale Zusammenarbeit zu sein …

Broemme: In der Internationalen Zusammenarbeit kommt es darauf an, dass es Teams mit einem vergleichbaren Ausbildungsstand und einer trainierten Vorgehensweise gibt. Israel hat bestens ausgestattete Hilfstruppen. So wie jetzt ganz aktuell bei dem Erdbeben in Nepal: Dort waren sie mit einem Feldhospital vor Ort.

Redaktion: Ein THW-Helfer wird bald nach Israel fliegen?

Broemme: Ja, es ist eine große Freude für uns, dass wir das israelische Search-and-Rescue-Team durch eine internationale Klassifizierung begleiten werden. Der erfahrene THWler Peter Wolf wird das israelische Team als Mentor begleiten und ihnen sagen, worauf es bei der Klassifizierung ankommt. Hier kann man nämlich auch durchfallen. Es wird eine komplexe Aufgabenstellung geben, die es erfordert, dass sich das Team die Einsatzzeit von anderthalb Tagen ordentlich einteilt und mit dem Team durchhält.

Redaktion: Können Sie sich den Fall vorstellen, dass wir in Deutschland auf israelische Hilfe angewiesen sein könnten?

Broemme: Wenn wir in Deutschland eine umfassende ABC-Lage hätten, kann ich mir vorstellen, aus Israel Hilfe anzufordern. Denn gerade auf diesem Gebiet ist Israel sehr gut aufgestellt.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Broemme. Wir wünschen Ihnen eine gute Veranstaltung in der Berliner Philharmonie!

Zusatzinformationen

Ihre Meinung zählt

Lassen Sie uns wissen, was Ihnen gefällt oder nicht gefällt. Wir sind offen für Ideen, freuen uns über Ihr Lob und nehmen Ihre Kritik ernst. Geben Sie uns hier Ihr Feedback!

Feedback abgeben

KalenderTermineIm September 2018

Mo Di Mi Do Fr Sa So
          01. September 02. September
03. September 04. September 05. September 06. September Termine am 07. September

Termine am 7. September

Termine am 08. September

Termine am 8. September

Termine am 09. September

Termine am 9. September

10. September 11. September 12. September 13. September 14. September 15. September 16. September
17. September 18. September 19. September 20. September 21. September 22. September 23. September
24. September 25. September 26. September 27. September 28. September Termine am 29. September

Termine am 29. September

Termine am 30. September

Termine am 30. September

Alle Termine

Navigation und Service